Suchtprävention: Vorbeugen statt heilen
Türen und Wände gibt es keine, dafür viel Holz, Pflanzen, zwei Zelte und eine Feuerstelle. Der Wald ist ein unerschöpflicher Erfahrungs- und Erlebnisraum für Kinder. Im Waldkindergarten Tatatuck können Kinder ab drei Jahren jeden Tag in der Natur und bei jedem Wetter spielen, singen, lachen, basteln und die Welt bzw. den Wald entdecken. Statt herkömmlicher Spielsachen wird hier mit Hölzern, Steinen oder Ästen gespielt. Die Kinder können sich draussen nach Herzenslust austoben.
Seit einiger Zeit wird auch im Waldkindergarten Tatatuck das Projekt Clever Club von Sucht Info Schweiz umgesetzt. Der Clever Club will Kinder für die Herausforderungen des Lebens stark machen. Diese Idee fliesst in den Alltag im Wald und den offenen Mittagstisch ein.
Am Mittagstisch bei den «Wurzelzwergen»
Etwas später hören sich die kleineren Kinder ein Märchen an. Auf der Feuerstelle kocht das Wasser für das Mittagessen. Während die meisten Kinder wieder im Wald spielen, bereiten die Kindergärtnerin und ihre Helferin das Mittagessen vor. Einige Kinder decken im zweiten Zelt die Baumstrünke, die als Tischchen dienen.
Die Kinder sind hungrig. Neben den «Wurzelzwergen» aus dem Kindergarten nehmen am offenen Mittagstisch auch Schulkinder teil. Es gibt Suppe, rohe Gurken, Rüebli und als Hauptmahlzeit Risotto. Guetzli runden das Mahl im Freien ab. Auch im Wald werden nach dem Essen die Zähne geputzt. Wer Zahnbürste und Zahnpasta vergessen hat, kann die Zähne mit Holzkohle reinigen.
Einbindung des Clever Clubs im Waldkindergarten
Bevor die Kinder wieder spielen, werden farbige Bänder ausgeteilt. Jedes Kind legt sein «Bändeli» bei einem der vier Zwerge hin. Dabei erklärt es, warum es seines dem lustigen, dem traurigen, dem wütenden oder dem Zwerg «so lala» gibt. «Ich lege es beim lustigen Zwerg hin, weil ich heute in der Schule einen Wettbewerb gewonnen habe.»
«Ich lege es beim wütenden Zwerg hin. Meine Schwester ist sehr krank und es macht mich wütend, dass ich ihr nicht helfen kann.» «Mein Bändeli lege ich zum Zwerg so lala. Ich möchte jetzt nämlich, dass mein Vater mich abholt und wir nach Hause gehen.» Die Kindergärtnerin und die Kinder teilen nicht nur die Freuden, sondern auch die kleinen und grossen Sorgen untereinander. So lernen die Kinder, auf ihre eigenen Gefühle und die Gefühle anderer zu achten. Während die kleineren Kinder sich im Zelt ausruhen, sind die grösseren Wurzel-zwerge schon wieder voller Tatendrang.
Das Dach der Burg muss noch fertiggestellt werden. Beim Turmbau mit Holzstöcken beteiligen sich dann wieder alle Kinder. Welche der beiden Gruppen wird wohl den höheren Turm bauen? Nachdem die Sieger feststehen, erklären die Kinder, wie sie vorgegangen sind. Weshalb ist ihr Turm höher geworden? Was muss beim Bau eines Turmes beachtet werden? Wer übernimmt welche Arbeit oder Verantwortung? Gewinner und Verlierer tauschen ihre Gedanken aus, lernen mit Sieg und Niederlagen umzugehen. Mit Spielen und Geschichten können andere wichtige Themen wie Gruppenzusammenhalt, agressionsfreies Nebeneinander und Übernahme von Eigenverantwortung aufgegriffen und besprochen werden. Schon bald ist der Nachmittag zu Ende. Gemeinsam gehts laut und fröhlich zurück ins Dorf und nach Hause.
Quelle/Text: Monique Helfer
Clever Club macht Kinder stark
Dank dem Projekt Clever Club an den Mittagstischen lernen Kinder, die täglichen Herausforderungen, denen sie bereits im Kindesalter ausgesetzt sind, zu bewältigen. Sie gewinnen Selbstvertrauen und erlangen soziale Kompetenzen. Mit Spielen, Geschichten und Gesprächen werden Themen wie Ausgrenzung, Mobbing, Gewalt, aber auch Zusammenhalt und Akzeptanz aufgegriffen und besprochen. Zudem erhalten sie ein warmes Essen, sie werden während der Mittagszeit betreut und können über ihre Freuden und Sorgen reden. Konkrete Fallbeispiele werden besprochen, und die Leiterinnen und Leiter erhalten Tipps, zum Beispiel zur Integration neuer Kinder in eine bestehende Gruppe oder zum Umgang mit Konflikten.
Die Entwicklung einer starken Persönlichkeit ist letztlich die wirksamste Sucht-
prävention. Die Projekte von Sucht Info Schweiz setzen deshalb schon früh an.
Seit über zehn Jahren entwickelt Sucht Info Schweiz in der deutsch- wie auch
französischsprachigen Schweiz Präven-tionsprojekte für Kinder und Jugendliche, unterstützt Mittagstische mit dem Projekt Clever Club und berät die Betreuenden. Ausserdem bietet sie eine kostenlose -telefonische Beratung und Unterstützung bei Fragen rund um die Kinderbetreuung an Mittagstischen und in Kindertagesstätten an.
Auskünfte:
Dieter May
Projektleiter Clever-Club
Breitmattweg 9
3123 Belp
Tel. 031 819 85 62
cleverclub@sucht-info.ch
Neben dem Beratungsangebot über Telefon und über die Internetrubrik
«Sie fragen - wir antworten» auf www.sucht-info.ch, stellt Sucht Info Schweiz auch kostenlose Informations- und Beratungsbroschüren für Eltern und weitere Betreuungspersonen zur Verfügung. Diese können als PDF heruntergeladen oder unter Info-Materialien bestellt werden. Die acht Elternbriefe von Sucht Info Schweiz gehen von alltäglichen Situationen aus und bieten Eltern Hinweise dazu, wie sie mit ihren Kindern über Alkohol, Tabak und andere Drogen sowie den Umgang mit neuen Medien sprechen und damit einen wichtigen Beitrag zur Prävention leisten können. Diese Briefe richten sich an Eltern von Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren. www.sucht-info.ch/Info-Materialien/Pädagogisches Material/Eltern.
Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, welche die ganze Familie betrifft. Je enger die Beziehung zum suchtkranken Menschen, desto -grösser ist die Belastung. Zum Thema «Kinder aus alkoholbelasteten Familien» hat Sucht Info Schweiz eine Broschüre -herausgegeben. www.sucht-info.ch/
Rubrik Info-Materialien/Broschüren
Wie viel ist zu viel?
Wie viel Alkohol kann ich trinken, ohne meiner -Gesundheit oder meinem Umfeld zu schaden? Diese Frage stellen sich viele Eltern. Grenzwerte, die für alle gelten, gibt es nicht. Dennoch haben Fachleute eine Faustregel formuliert: «Risikoarm mit -Alkohol umzugehen, bedeutet für gesunde erwachsene Männer höchstens zwei -Gläser Alkohol pro Tag zu trinken; -gesunde erwachsene Frauen sollten nicht mehr als ein Glas am Tag konsumieren», erklärt Irene Abderhalden, Leiterin Prävention von Sucht Info Schweiz. Diese Mengen sollten in aller Regel nicht überschritten -werden. Ansonsten gilt: Weniger zu trinken, ist noch besser.
Die Grenze zwischen einem risikoarmen, problematischen oder gar abhängigen -Alkoholkonsum sind fliessend und sie sind nicht bei allen Menschen gleich. Wer jeden Tag über die Stränge schlägt, sich immer wieder einen Rausch antrinkt oder dann trinkt, wenn ein klarer Kopf nötig wäre, konsumiert auf problematische Weise. Von einer Sucht sprechen Fachleute dann, wenn drei der folgenden Kriterien erfüllt sind, wobei schon ein Kriterium Anlass zur Sorge gibt:
- ein starker Wunsch zu trinken
- fehlende Kontrolle über den Konsum
- immer mehr trinken (Toleranzerhöhung)
- körperliche oder psychische Entzugssymptome
- bei Reduktion des Konsum
- Weitertrinken trotz negativer Folgen
- andere Interessen vernachlässigen
- Konsum wird Vorrang vor anderen Aktivitäten und -Verpflichtungen ?gegeben






